Im Goldrausch: Über 100 Jahre deutsche Direktinvestitionen in Korea

Ein Gastbeitrag von Michael Dirauf

Deutschland und Korea sind wirtschaftlich eng verbunden. Ein wichtiger Grundstein für eine lange, enge Zusammenarbeit war die erste deutsche Direktinvestition eines deutschen Unternehmens in Korea vor nunmehr über 100 Jahren. Hierfür wurde der Grundstein am 17. April 1897 gelegt. An diesem Tag schloss der Handelsvertreter Carl Wolter im Namen der Firma E. Meyer & Co. mit der königlichen Regierung Koreas einen Konzessionsvertrag bezüglich Bergbau ab.

Schon Mitte des Jahres 1884 begann die Firma E. Meyer mit dem Aufbau eines Handelshauses in Korea. Zu dieser Zeit versuchten mehrere ausländische Regierungen Bergbau-Konzessionen zu erhalten. Nachdem die Amerikaner Mitte 1895 eine Konzession für die Unsan-Goldmine erhielten, forderte der damalige deutsche Generalkonsul Krien Ende des Jahres ebenfalls eine Konzession mit dem Hinweis, „dass die fortschrittliche Technologie der deutschen Bergbauindustrie einen sicheren Gewinn für Seoul liefern würde.“

Dieser Forderung sollte erst eineinhalb Jahre später nach vielen Verhandlungen zugestimmt werden. Im Herbst 1897 reiste der Bergassessor Bruno Knochenhauer auf Veranlassung der Firma E. Meyer nach Korea, um ein Gebiet für das Bergwerk auszusuchen. Nach zwei Erkundungsreisen entschied sich Bruno Knochenhauer für Tangkogä (damalige deutsche Schreibweise) nordöstlich von Seoul im heutigen Nordkorea. Inzwischen hatte sich die innenpolitische Lage in Korea geändert und es wurden Forderungen laut, die Konzessionsvergaben an Ausländer rückgängig zu machen. Nichtsdestotrotz gab die koreanische Regierung Mitte 1898 dem Druck Deutschlands nach und übergab die Konzession formal an die Firma E. Meyer & Co.

Noch im September 1898 begann Bruno Knochenhauer mit dem Aufbau des Bergwerkplatzes und ließ Wohnhäuser für die deutschen Bergarbeiter errichtet. Mit hohem Aufwand wurden Baumaterial und Lebensmittel von Seoul beziehungsweise Chemulpo (heute Incheon) zum ausgewählten Platz transportiert. Die ersten Häuser für die ausländischen Bergleute waren schon bald bezugsfertig und einheimische Arbeiter wurden eingestellt. Doch bereits kurze Zeit später kam es zu ersten Auseinandersetzungen zwischen den einheimischen Goldsuchern und den deutschen Bergleuten, die zu Strafmaßnahmen und Vertreibung seitens der Deutschen führten. Außerdem wurde den Deutschen schnell klar, dass die gefundene Goldmenge nicht den Erwartungen entsprach.

Mitte 1899 endete der Arbeitsvertrag von Bruno Knochenhauer, den er nicht verlängern lies, und Louis Bauer wurde sein Nachfolger als Bergwerksdirektor. Dieser erhöhte den Maschineneinsatz durch Kauf einer Dampfmaschine sowie von Feldbahnloren und engagierte neue, ausländische Bergarbeiter. Doch auch diese Maßnahmen brachten nicht den gewünschten Goldertrag.

Zahltag für die koreanischen Arbeiter auf der deutschen Goldmine in Tangkogä
Foto: Louis Bauer. Familiensammlung Prof. Andreas Pistorius

Während seines Aufenthaltes machte Bergwerksdirektor Louis Bauer Erkundungsreisen in Korea, um einen besseren Platz für den Goldabbau zu finden. Doch aufgrund der innenpolitischen Lage erhielt die Firma E. Meyer & Co keine neue Konzession und die Arbeiten in Tangkogä wurden im Herbst 1903 eingestellt. Louis Bauer reiste Ende 1903 mit der sibirischen Eisenbahn zurück nach Berlin. Circa 800.000 bis 900.000 Mark gaben die Anteilseigner für diese erfolglose Goldsuche aus, wobei circa ein Viertel des Betrages den einheimischen Beschäftigten direkt als Gehalt bzw. als Bezahlung für ihre Dienstleistungen zugutekamen.

Nach dem Russisch-Japanischen Krieg (1904-1905) gelang Korea 1905 durch den Protektoratsvertrag immer stärker unter japanische Kontrolle. Das koreanische Minenwesen wurde durch einen kaiserlichen Erlass am 15. September 1906 gesetzlich geregelt, wobei der japanische Einfluss an diesem Gesetz nicht zu übersehen ist.

1907 erhielt die Firma E. Meyer & Co. für das „Deutsche Korea-Syndikat“ noch einmal eine Konzession für eine Goldmine in der heutigen Provinz P’yŏngan-pukto. Die Mine bestand aus fünf Einheiten in Seoncheon mit einer Gesamtfläche von etwa 6,7 Quadratkilometern. Direktor des Bergwerks war Friedrich Wilhelm Kegel, der bereits als Mitarbeiter im ersten deutschen Bergwerk tätig war.

Das wenige aufgefundene Erz wurde in den Jahren 1910 und 1911 in einem Pochwerk mit fünf Pochstempeln zerkleinert. Die Goldmine wurde 1911 wegen Mangel an abbauwürdigem Golderz geschlossen. Die Ursache des deutschen Misserfolges dürfte in der Tatsache liegen, dass an den ausgewählten Minenplätzen nicht genügend Golderze vorhanden waren.

Mit der deutschen Goldmine kamen erste Elemente einer industriellen Revolution in das Hinterland von Korea wie die Dampfmaschine und Feldbahnen. Koreaner erhielten eine Ausbildung zum Maschinisten und Mechaniker. Somit kann man das Ergebnis dieser ersten deutschen Direktinvestition als ersten Schritt zu einer Aufbauhilfe für das Land deuten, von dem die Koreaner allerdings wegen der kurz darauf folgenden Unterjochung durch die Japaner nicht lange profitieren konnten.

Das Feldbahnmaterial wird im Tagebau von Tangkogä eingesetzt. Die Loren werden an einem Seil befestigt und mit Hilfe der Dampfmaschiene hochgezogen.
Foto: Louis Bauer. Familiensammlung Prof. Andreas Pistorius

Quellen:
Dirauf, Michael: Goldrausch in Korea. Die deutsche Goldmine in Korea von 1897 bis 1903. Iudicium-Verlag, München 2015.
Lee, Young Gwan: German Involvement in the Hermit Kingdom 1882–1905. Dissertation. University of Arkansas. 1995. S. 140 f.


Gastautor Michael Dirauf
(geb. 1956) schließt 1981 das Studium der Elektrotechnik an der Fachhochschule Coburg als Diplom Ingenieur (FH) ab. Vom Herbst 1982 bis zum Herbst 1985 lebt und arbeitet er mit kurzen Unterbrechungen in Korea. Nach der Rückkehr gilt sein Interesse vor allem den historischen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Korea und Deutschland und er entdeckt so umfangreiches Material über eine deutsche Goldmine in Korea. Das Ergebnis seiner Recherchen legt er in seinem Buch vom Goldrausch in Korea vor.


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